Die Zeughäuser – ein Stück Winterthurer Militärgeschichte
Winterthur besass das zweite bekannte Zeughaus des 15. Jahrhunderts der Schweiz. Es befand sich zuerst in der Altstadt, am Unteren Graben. 1679 an den Kirchplatz verlegt, diente es als kantonales Zeughaus bis zur Aufhebung 1837. Als Magazin dienend, musste es 1849 dem Neubau des Mädchenschulhauses, heute Gewerbemuseum, weichen. Mit der Wahl zum kantonalen Waffenplatz der Kavallerie 1846 beginnt ein neues militärgeschichtliches Kapitel Winterthurs. 1863 bewirbt sich die Stadt um eine Konzentrierung der kantonalen Militäranstalten in Winterthur. Eine neue Kavalleriekaserne, neben der bereits 1846 errichteten Reithalle an der Zeughausstrasse, kann 1863 der Truppe übergeben werden. Ihr soll auch der Bau eines kantonalen Zeughauses am heutigen Standort der ehemaligen eidgenössischen Zeughäuser folgen. Zum Bau kommt es jedoch nicht. Erst die eidgenössische Verfassungsrevision von 1874 bringt Bewegung in den Winterthurer Zeughausbau. Nun hat der Bund nicht nur die oberste Aufsicht über das eidgenössische Wehrwesen inne, sondern auch die Verantwortung für die Ausbildung und Ausrüstung sowie die Beschaffung der Waffen. Einzig die persönliche Ausrüstung der Wehrmänner verbleibt in kantonaler Zuständigkeit. Ab 1874 wird wegen der neuen Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen eine grosse Zahl eidgenössischer Zeughäuser errichtet, meist in Verbindung mit Waffenplätzen. Es vergehen aber noch 20 Jahre bis der Bund 1894 am 1863 vorgesehenen Standort das Zeughaus 1 im Stil der Neurenaissance (Zeughausstrasse 52) realisiert.
1905 wird das Zeughaus 2 am Mattenbach (Zeughausstrasse 54) erstellt. Bereits 1911 wird an dieses das Zeughaus 3 angebaut. Den Gebäudekomplex vollendet kurz vor Ende des ersten Weltkriegs der Bau der Zeughäuser 4 und 5. Zwischen Zeughaus 1 und 5 kommt das Haus des Verwalters zu stehen. Als Reaktion auf eine neue Bedrohungslage werden 1935 zur Sicherung des Areals zwei freistehende Betonbunker errichtet. Der noch bestehende an der Zeughausstrasse dient als Kommandoturm, jener zwischen den Zeughäusern 4 und 5 als Mannschaftsturm. In die Zeughäuser 1 und 3 kam bis zur Aufhebung 2004 jeder Wehrpflichtige Winterthurs. Wer persönliche Ausrüstung umtauschen oder reparieren musste, bekam im Obergeschoss Hosen, Jacken, Schuhe, Rucksäcke, Feldflaschen usw. Musste etwas an der persönlichen Waffe revidiert werden, war der Waffenschmied hier zu finden. Die Zeughäuser 1, 4 und 5 dienten hingegen als Korpsmaterialmagazine. Hier rüsteten sich jene Einheiten aus, deren Mobilmachungsort in der Umgebung Winterthurs lag. Zu Beginn der Wiederholungskurse wurde das Korpsmaterial abgeholt. Dazu zählten zum Beispiel, Werkzeuge, Zelte, Küchenausrüstung, Korpswaffen (schwere Maschinengewehre, Raketenrohre usw.), Übermittlungsgeräte und anderes mehr. Am Ende der Kurse kam das Material zurück und wurde vom Zeughauspersonal auf Sauberkeit, Vollständigkeit und Funktionsfähigkeit geprüft. Wer unter den Wehrpflichten kennt nicht die Geschichten um die Findigkeit bei der Wiederbeschaffung verlorenen Materials?
Die militärische Entspannung in Europa nach 1989 führte ab 1995, als Folge von Zusammenlegungen und Aufhebungen, zu einer Reduktion von 50 auf 20 eidgenössische Zeughäuser. Im Zuge der Umsetzung der Armeereform XXI wurden die Winterthurer Zeughäuser 2004/2005 geräumt. Für die unter Denkmalschutz stehenden Magazine wird seither eine neue Nutzung gesucht. Ende 2009 beschloss der Stadtrat, die Zeughäuser der schweizerischen Eidgenossenschaft samt zugehörigem Land abzukaufen und einer Neunutzung zuzuführen.





