Schwarzer Mann, schwarze Schafe
Ein Viertel des schädlichen Feinstaubs stammt aus Holzheizungen. Diese müssen nun alle zwei Jahre kontrolliert werden. Eine Gratwanderung für Kaminfeger. Denn auch schwarze Schafe sind ihre Kunden.
Das volle Programm im negativen Sinn erwartete den städtischen Holzfeuerungskontrolleur am 12. Januar in einer Liegenschaft in Winterthur Hegi. Die Rückstände von Kunststoff, Textilresten und Metall in der schwarzen Asche im Ofen waren eindeutige Spuren von nichtsachgemässem Betrieb. Er notierte unter Bemerkungen: «Verbrennt den gesamten anfallenden Hausmüll.» Der Fall liegt zurzeit bei der städtischen Feuerpolizei. Sie hat im Oktober 2007 vom Kanton den Auftrag gefasst, sämtliche Holzfeuerungen zu registrieren und im Zweijahresrhythmus zu kontrollieren. «Wir mussten bei null anfangen», sagt Abteilungsleiter Georg Mörgeli. Und er rechnet damit, dass die Aufbauphase vier bis fünf Jahre dauert. In dieser Zeit lässt Georg Mörgeli auch mal Gnade walten. Vom eingangs erwähnten Mieter hat er Massnahmen gefordert, die nach 30-tägiger Frist auch nachkontrolliert würden. Er hat im Schreiben aber auch darauf hingewiesen, was ein sachgemässer Betrieb einer Holzfeuerung wäre und dass das Verbrennen von belasteten Stoffen «verboten und strafbar» sei. Eine Busse gab er jedoch nicht, sprach dafür den Dank aus «für die Unterstützung einer besseren Luftqualität». Jeder optimal betriebene Ofen entlässt weniger Dreck in die Luft.
Feinstaubschleudern
In der Tat belasten Holzheizungen die Luft erheblich. Gemäss städtischem Umweltzustandsbericht 2009 beträgt der Anteil Feinstaub aus Holzfeuerungen 25 Prozent; der Verkehr macht 40 Prozent aus. Erstaunlich ist der Wert, weil die Feuerpolizei zwar von geschätzten 8000 Anlagen in der Stadt ausgeht, die meisten jedoch nur «zum in die Flammen schauen» genutzt werden, wie Georg Mörgeli sagt. Nur etwa 800 Kleinholzfeuerungen dienen effektiv als Heizung. Bei den ungenauen Zahlen liegt der Kern des Problems: Die Feuerpolizei weiss nicht, wie viele Anlagen tatsächlich existieren und in welchen mehr als 200 Kilo Holz verbrannt wird. Dieser Richtwert gilt als Schwelle, ob es sich um einen Zier- oder Heizofen handelt. 712 Anlagen sind mittlerweile erfasst, bei 217 wurde die sogenannte Sichtkontrolle durchgeführt, oft durch Jürgen Schleicher von der kantonalen Rapportzentrale. Er hilft der Stadt beim Abarbeiten der Liste. Denn eigentlich (und das wird der Normalfall sein) könnten Kaminfeger die Kontrolle gleich mit der Reinigung erledigen; diese sollte zweimal pro Jahr gemacht werden.
Rollenteilung als Lösung
Zumindest in der Anfangsphase ist die Zusammenarbeit von Feuerpolizei und Kaminfeger jedoch nicht unproblematisch. Einerseits sind die schwarzen Männer in der Pflicht, zu kontrollieren, anderseits handelt es sich bei einer Kaminreinigung um eine normale Kundenarbeit. Anders als früher, als Kaminfeger in Gemeinden ein Monopol hatten, sind sie dem Markt ausgesetzt. Gemäss Andy Wanner, Kaminfegermeister aus Andelfingen mit Geschäft auch in Winterthur, hat man das Problem aber mittlerweile im Griff. Die Aufforderung zur Kontrolle erhalten Eigentümer von der Stadt zugeschickt.
Es geht auch anders
So hat auch eine Frau in Reutlingen Post bekommen, die Kontrolle wäre fällig. Sie ist Kundin von Kaminfegermeister Wanner und hat ihn orientiert. Vor dem Haus ist das Brennholz gelagert, an einem trockenen Ort. Die Messung bestätigt die Annahme. In der Küche öffnet der Andelfinger das Ofentor, leuchtet in die weisse Asche im Feuerraum. «Man sieht die Struktur des Holzes», erklärt er. Rückstände, die nicht hierhergehören, findet er keine. Auch mit der Feuerraumdecke ist er zufrieden. Wäre sie schwarz, wäre das ein Zeichen von Luftmangel. Diese hier «sieht gut aus», urteilt der Fachmann. Im Estrich öffnet er das Türchen am Kamin, ritzt in den Russrückstand, der zwar schwarz, aber nicht klebrig ist. «Alles in Ordnung», bescheinigt er der Eigentümerin.
Weitere Infos: www.luft.zh.ch






