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Publiziert am Tuesday, 20. March. 2012 10:16

Erste Schritte im Filmbusiness

Von: Rafaela Roth

«Ich habe mir alles selber beigebracht», sagt Jungfilmer Simon Pfister. Bild: rar.

Simon Pfister nimmt an den Schweizer Jugendfilmtagen vom 11. bis 15. April teil. Damit erfüllt er sich einen Lebenswunsch.

Berg am Irchel/Seuzach/Winterthur: «Die Idee ist das Wichtigste! Ja, man braucht unbedingt eine gute Idee!», sagt Simon Pfister mit erhobenem Zeigefinger. Wenn der 21-Jährige aus Gräslikon von seiner Leidenschaft, dem Filmemachen, spricht, glaubt man ihm jedes Wort. Sogar altkluge Lehrerphrasen wie: «Man muss nur an sich glauben und dran bleiben. Wenn man etwas wirklich will, dann schafft man es auch», wirken bei ihm glaubwürdig. Simon Pfister weiss es schon lange: Er will Regisseur werden. Bei den 36. Schweizer Jugendfilmtagen vom 11. bis zum 15. April im Theater der Künste in Zürich ist er gleichzeitig OK-Mitglied und Teilnehmer. Alles hat damit angefangen, als der Schüler merkte, dass er in seinem Online-Computerspiel «World of Warcraft» Filme drehen konnte. Also gab er seinen Freunden verschiedene Rollen und liess sie spielen. «So entstanden meine ersten fünf Filme», sagt Simon Pfister lachend. Später machte er einen richtigen Film als Abschlussarbeit im bildnerischen Gestalten und wurde Jahrgangsbester. Als Maturarbeit produzierte er ein Musikvideo. Und das alles im Selbststudium: «Ich habe mir alles selber beigebracht», erklärt Simon Pfister, «mit Youtube-Videos, Blogs und Büchern.»

Filmstudium knapp verpasst

Nach der Matura machte Simon Pfister ein Praktikum im Eventbereich und zwei weitere Filme in Amerika. Letztes Jahr wollte er es richtig lernen: Er machte an der Zürcher Hochschule der Künste die Aufnahmeprüfung für den Bachelor in Film. 15 Studenten wurden aufgenommen, er wurde Siebzehnter. Doch davon liess sich der 21-Jährige nicht entmutigen. Er stürzte sich in ein neues Filmprojekt: «Purple Rose Cinema» kam dabei heraus. Der Kurzfilm handelt von zwei Freunden, die ins Kino gehen und Dinge erleben, die es eigentlich gar nicht geben kann.

Die Hauptrolle im Film spielt kein Geringerer als der aus «Tatort» bekannte Schauspieler Stefan Gubser. Wie Simon Pfister das geschafft hat? «Ich habe ihn einfach gefragt», sagt er schmunzelnd. «Purple Rose Cinema» wurde in den Wettbewerb der 36. Schweizer Jugendfilmtage aufgenommen. Simon Pfister selber arbeitete 2009 als freiwilliger Helfer mit und ist seit 2010 OK-Mitglied der Jugendfilmtage. Das sei kein Problem. «Ich darf keine Filme sehen und bewerten, die in meiner Kategorie laufen», erklärt er und fügt an: «Es ist wichtig, dass auch Filmer, nicht nur Wissenschaftler und Sozialarbeiter in der Vorjury sitzen.»

Für Filmer in seinem Alter seien die Jugendfilmtage das Highlight des Jahres. Denn, «ein Kurzfilm zählt eigentlich erst im Lebenslauf, wenn er an einem Festival gelaufen ist», erklärt Simon Pfister.

Seuzacher mit modernem Märchen

Mit in seiner Kategorie spielt auch Matthias Sahli. Der 23-Jährige aus Seuzach hat den Film «Make a Wish» eingereicht. Der märchenhafte Kurzfilm zeigt ein modernes Aschenputtel, das eine Tasche findet, aus der es alles rausziehen kann, was es sich wünscht. Die Idee dazu kam ihm mit Kollegen im Zug und weiterentwickelt hat er sie kurz vor dem Schlafen – da sei er am kreativsten. Matthias Sahli hat das Filmemachen erst vor Kurzem im Vorkurs für die Zürcher Hochschule der Künste gepackt. Ihn faszinieren die Möglichkeiten, die er beim Film hat: «Man kann anderen die Bilder zeigen, die man im Kopf hat. Das ist toll!», sagt er. Sein erster Film kam gleich in den Wettbewerb. Es überrascht nicht, dass auch er nun Film studieren will.

Jan-Eric Mack hat das schon fast geschafft. Der 25-Jährige hat gerade in Winterthur den Dreh für seinen Abschlussfilm beendet. Auch er hat einen Film für die Jugendfilmtage eingereicht: «Kurzfilme sind ein gutes Sprungbrett», sagt er. Obwohl der junge Regisseur bald seinen Bachelor of Arts in Film hat, weiss er, dass es nicht einfach wird: «Der Markt in der Schweiz ist klein. Nach dem Bachelor kann ich entweder ein Masterstudium anhängen oder versuchen, ein gutes Drehbuch zu schreiben, um Fördergelder zu beantragen», sagt er. Er sei froh noch eine Lehre als Grafiker gemacht zu haben. «Damit Geld zu verdienen und daneben die Passion Film weiterzuverfolgen, wäre super.»

Bewerbung bei fünf Filmschulen

Diese Passion will auch Simon Pfister weiterverfolgen. Er hat sich bei fünf Filmschulen in der Schweiz, in Deutschland und in den USA beworben. In rund zwei Wochen kriegt er Bescheid. «Ich werde nicht aufgeben», sagt er. Ich träume davon, vom Filmemachen zu leben, und diesen Traum versuche ich zu verwirklichen.» Immerhin hat er bisher vieles richtig gemacht. Und auch die Jugendfilmtage werden ihm bestimmt dabei helfen. So sagt Festivalassistentin Nora Leibundgut: «Einige heute etablierte Filmschaffende wie beispielsweise Bettina Oberli, Filip Zumbrunn oder Christian Davi nennen die Jugendfilmtage als wichtige Station ihres Werdegangs.»

Weitere Informationen: 36. Schweizer Jugendfilmtage, 11. bis 15. April, Theater der Künste, Zürich, www.jugendfilmtage.ch



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